Heidelberg , 10. Juni 2026
Mit dem erfolgten Signing zum Verkauf der zivilen Sparte von Rheinmetall an den Investor Aequita beginnt für die betroffenen Standorte in der Region Heidelberg eine neue Phase. Für die IG Metall ist dieser Schritt ein tiefgreifender Einschnitt – zugleich aber auch der Startpunkt für eine aktive, konsequente Interessenvertretung im Sinne der Beschäftigten.
Bereits vor dem Vollzug der Transaktion konnte die IG Metall in intensiven Verhandlungen einen Überleitungstarifvertrag (ÜTV) durchsetzen. Dieser sichert für drei Jahre nach dem Closing verbindliche Regelungen zur Standort‑ und Beschäftigungssicherung sowie zur Wahrung tariflicher Standards. „Mit dem Überleitungstarifvertrag haben wir den Kolleginnen und Kollegen in einer äußerst unsicheren Situation echte Sicherheit erkämpft“, erklärt Thomas Bohlender, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Heidelberg. „Arbeitsplätze, Standorte und tarifliche Bedingungen sind verbindlich geschützt. Das ist eine entscheidende Grundlage für alles, was jetzt kommt.“
Der Tarifvertrag stellt unter anderem sicher,
- dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind,
- dass die bestehenden Standorte abgesichert bleiben und
- dass die geltenden tariflichen Regelungen fortgeführt werden.
Gleichzeitig macht die IG Metall deutlich: Mit dem Signing ist nichts abgeschlossen – im Gegenteil. Nun stehe der neue Eigentümer in der Verantwortung, eine tragfähige industrielle Perspektive zu entwickeln. „Jetzt erwarten wir von Aequita klare Aussagen zu Investitionen, Innovationen und zur langfristigen Beschäftigungssicherung“, betont Bohlender. „Kurzfristige Renditeinteressen auf dem Rücken der Beschäftigten wird es mit uns nicht geben. Die Zukunft der Betriebe kann nur gemeinsam gestaltet werden – mit voller Mitbestimmung.“
Dass dieser Anspruch notwendig ist, zeigen auch Erfahrungen aus anderen Unternehmen unter dem Dach von Aequita. Die IG Metall kündigt daher eine besonders enge und kritische Begleitung der weiteren Entwicklung an – gemeinsam mit den Betriebsräten an den Standorten.
Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung war der Verkauf unter den gegebenen Umständen jedoch alternativlos. Sven Schmidt, Betriebsratsvorsitzender von KS Gleitlager in St. Leon‑Rot, erklärt dazu:
„Am Ende hatten wir realistisch keine andere Option mehr. Auch Rheinmetall war für uns keine Perspektive, da wir nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten – das haben wir in den letzten Monaten deutlich gespürt. Jetzt müssen wir die Zeit zwischen Signing und Closing nutzen, um den neuen Investor zu fordern, zu beschäftigen und klarzumachen: Der zukünftige Weg kann nur gemeinsam gegangen werden – unter voller Achtung der Mitbestimmung. Der Überleitungstarifvertrag ist dafür eine große Hilfe, weil er uns Sicherheit bei Standort‑ und Beschäftigungsfragen gibt.“
Die IG Metall Heidelberg wird den weiteren Prozess eng begleiten und ihre Rolle als Schutzmacht der Beschäftigten konsequent wahrnehmen. „Unsere Haltung ist eindeutig“, so Bohlender abschließend. „Wir haben Sicherheit durchgesetzt. Jetzt kämpfen wir dafür, dass daraus auch eine nachhaltige industrielle Zukunft für die Standorte und die Beschäftigten entsteht.“